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Von Schulden, Schuldigen und Unschuldigen
Der Wahnsinn beginnt mit einer Zahl, die sich jeder Vorstellung entzieht: Rund 8 Billionen US-Dollar hat der sogenannte „Krieg gegen den Terror“ nach seriösen Schätzungen gekostet. Und mehrere Millionen Tote für 3000 Tote an 9/11. Acht Billionen für über zwanzig Jahre militärischer Interventionen, Geheimdienstoperationen, Wiederaufbauprogramme, Veteranenversorgung und Zinslasten. Acht Trillionen – und kein Frieden.
Dieses Geld wurde ausgegeben, um Sicherheit zu schaffen. Das Ergebnis ist eine Welt, die nicht sicherer, sondern instabiler geworden ist: Regionen verwüstet, Staaten geschwächt, Demokratien zerstört und Millionen Menschen vertrieben, neue Konflikte erzeugt, alte vertieft. Terrorismus wurde nicht beendet, sondern verlagert. Gewalt nicht überwunden, sondern weitergegeben. Was bleibt, ist eine gigantische Rechnung – und das Ausmaß der verpassten Möglichkeiten.
Was hätte man mit 8 Trillionen Dollar tun können?
Man hätte weltweit allen Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser verschaffen können – mehrfach. Man hätte globale Gesundheitssysteme aufbauen, Pandemien vorbeugen und vermeidbare Krankheiten nahezu eliminieren können. Man hätte Bildung zur Selbstverständlichkeit machen können: Schulen, Lehrer, digitale Infrastruktur für jedes Kind, unabhängig von Geburtsort oder sozialem Status.
Mit einem Bruchteil dieser Summe hätte man die globale Energiewende entscheidend vorantreiben können: Solar- und Windkapazitäten, Stromnetze, Speichertechnologien, klimaneutrale Mobilität. Statt Kriege um Ressourcen zu führen, hätte man ihre Knappheit überwinden können. Man hätte Wälder schützen, Böden regenerieren, Städte kühlen und Küsten sichern können – echte, langfristige Sicherheit.
8 Trillionen Dollar hätten bedeutet: Investitionen in Menschen statt in Zerstörung. In Stabilität statt Eskalation. In Prävention statt militärische Reaktion. In Diplomatie, Entwicklung, Gerechtigkeit – all jene Faktoren, die nachweislich Konflikte verhindern, bevor sie bewaffnet ausbrechen.
Der eigentliche Wahnsinn liegt nicht nur in der Höhe dieser Summe, sondern in der Prioritätensetzung, die sie offenlegt. Für Krieg gelten Trillionen als alternativlos. Für Bildung, Klima oder Armutsbekämpfung gelten Milliarden als kaum finanzierbar. Zerstörung wird als realistisch verbucht, Zukunft als naiv abgetan.
Der „Krieg gegen den Terror“ offenbart damit weniger über Terrorismus als über unsere Zivilisation. Über eine Welt, die glaubt, Sicherheit lasse sich erzwingen, statt sie zu ermöglichen. Dabei entsteht Sicherheit dort, wo Menschen Perspektiven haben, Staaten funktionieren und Würde kein abstrakter Begriff ist.
Vielleicht ist die bitterste Erkenntnis diese: 8 Billionen Dollar hätten die Welt nicht perfekt gemacht. Aber sie hätten sie grundlegend besser machen können. Dass sie stattdessen in Gewalt, Angst und Zerstörung geflossen sind, ist kein historischer Zufall. Es ist eine Entscheidung – und ein Mahnmal dafür, was geschieht, wenn Macht ohne Vorstellungskraft handelt.
Der Krieg ist ein moralisches Paradox: Er wird im Namen von Sicherheit, Freiheit oder Gerechtigkeit geführt – und zerstört genau jene, die diese Werte am wenigsten bedrohen. Die Hauptlast tragen nicht Täter, sondern Unbeteiligte. Nicht Schuldige, sondern Wehrlose.
Krieg gebiert eine perverse Klarheit: Er zeigt, wie wenig Schutz Unschuld in politischen Machtkonflikten tatsächlich genießt. Er entlarvt die Illusion, dass Gewalt gezielt und gerecht eingesetzt werden könne. Denn die Realität ist schlicht: Wer unschuldig ist, ist im Krieg am gefährdetsten.




