Wenn es auf der Welt nur ein Land gäbe, dann wäre die Hauptstadt Istanbul.“ (Napoleon).
Genau so hat es Napoleon wohl nie gesagt. Auch wenn das Zitat massenhaft genutzt wird in Foren und auch im Marketing der Stadt.
Hier die Aussage Napoleons die dem Zitat wohl zugrunde liegt, aus „The Mind of Napoleon.“ :
Herold führt dies auf Las Cases, Mémorial (6. Nov. 1816) zurück:
„Der Kaiser verstummte erneut, maß Entfernungen auf der Karte mit seinen Schenkeln und behauptete, dass Konstantinopel durch seine Lage das Zentrum und den Sitz der universellen Herrschaft sei, usw.
Herold, J Christopher. The Mind of Napoleon. (1961). S. 202.
Sicher ist die Welt heute eine völlig andere. Zur Zeit Napoleons und auch in früheren Epochen war Europa global deutlich bedeutender als heute. Und Istanbul war der zentrale Knotenpunkt zwischen Europa, Asien – insbesondere Vorderasien – und Afrika. Wahrscheinlich war die Stadt damals eines der bedeutendsten Zentren der Welt überhaupt.
Heute sind die wirtschaftlichen und politischen Machtzentren über den gesamten Globus verteilt. Dennoch gehört Istanbul weiterhin zu den wichtigsten globalen Schnittstellen. Denn die geografische Lage hat sich nicht verändert: Westeuropa, Russland, der Nahe Osten, Vorderasien und Afrika kreuzen sich am Bosporus gleichermaßen.
China und Indien, Zentralafrika oder die Straße von Hormus sind von Istanbul aus ebenso schnell erreichbar wie Schottland. Der Italien liegt der Stadt geografisch so nah wie Palästina oder Israel.
Lebt man in Deutschland oder anderen europäischen Ländern, blickt man oft auf die Welt aus einer stark europäisch geprägten Perspektive – fast so, als stünde Europa im Mittelpunkt von allem. In Istanbul hingegen , obwohl ja auch Europa, wächst man mit dem Gefühl auf, dass die Welt gleichzeitig aus Europa, Asien, Afrika und dem Nahen Osten besteht – als Teil eines großen zusammenhängenden Ganzen.





